„Freedom is just another word for nothing left to do“ 

Grölt der Fabrikarbeiter in die Halle und ihm schlägt eine Fahne aus Applaus und 

Zigarettendampf entgegen.

„Freedom is just another word for nothing left to do“ 

ihm ist hier nichts zu hart,

und das Leben, das ist teuer.

Dabei macht er was er tut, und dabei grinst er stets verwegen. 



Das Leben hat er abgetan wie eine alte Jacke Jeans,

Er steht auf, morgens um drei,

gerufen, abgerufen, ausgerufen steht er

aus Pflichtgefühlt bei Durchsage direkt bei Dienst.


Er kennt den Schmerz und auch das Leid,

Ist für Vergleiche stets bereit. 


Dabei er immer gern vergisst, 

Dass er zumal sich auch vermisst.


Er pöbelt feist und fühlt sich klug,

Was ihm stets fern, ihm längst genug. 

Leise schleicht ihn der Verdacht, dass er macht was er so macht nur 

Weil er Machen machen muss 

Und aus Angst vor der Angst und vor Scheu vor dem Verlust

Fenster auf zu machen und den Wind zu wehen lassen

Denkt er zu Ende was er kennt 

um sich den Tag,

Vor allem diesen!,

zu seinem Lieblingstag zu machen. 



„Freedom is just another word for nothing left to lose“ 

Er hat den Vers ganz falsch verstanden, gänzlich fehlinterpretiert 

Nun ist er wieder etwas schlauer und kennt die Anwort beinahe fast,

So wie die Menschen die er sieht,

Und so lehnt er sich zurück, der Sessel weich, das Bier schön kühl

Wie das Gemüt ihn bald verlässt,

Zum Hinterfragen nicht bereit,

Die Türe zu,

Die Füße hoch,

Freedom - ach egal.


Doch leise schleicht ihn der Verdacht, dass er macht was er so macht 

nur weil er Machen machen muss 

Und aus Angst vor der Angst und vor Scheu vor dem Verlust

Zuhause Fenster auf zu machen und den Wind zu wehen lassen

Denkt er zu Ende was er weiß 

um sich den Tag,

Vor allen Ding’

zu seinem Lieblingstag zu machen. 
CORONA - MANDALA
#beatthelangeweile



Mensch2020 #2 


Halle ist halt Hipster-Town! hasskommentiert ich hasserfüllt unter ein Facebook-Meme. Voll kacke ey, ja find ich auch. Nervt, richtiges Minus! Alle dumm! Außer ich natürlich. Denke ich schlussfolgernd und finde diese Schlussfolgerung ein wenig voreilig. Ich bin Idealistin, also muss ich immer ein wenig vor mir auf der Hut sein. Ich sehe Personen, Handlungen, Gegenstände und in Sekundenschnelle geht mein Kopf alle erdenklichen Kombinationen von Wissen, Werten, Visionen und Moralvorstellungen durch. Es werden alle mir erdenklichen Zukunftsvisionen mit der Durchsetzung, Weiterführung und Schlussfolgerung von Personen, Handlungen, Gegenständen ausgehandelt und dann ein Urteil gefällt. Oft sind sie sich in der Sache recht ähnlich: Passt nicht, geht nicht, will ich nicht, seh ich anders. Das Offensichtliche liegt dabei bereits in der Beschreibung. „Alles mir Erdenkliche.“ Alles, was ich mir erdenken kann. Ich mir. Also ich mir, mit allem, wozu ich in der Lage bin, es mir zu erdenken. Weil ich ich bin und meine Gedanken ein Produkt aus meinem Erlebten. Schlussfolgerungen. Eine andere Person wird sich ganz andere Dinge erdenken. Das, so schlussfolgere ich der am Boden winselnden Idealistin meiner selbst entgegen, heißt, dass alle Ableitungen die ich vornehme höchstens für mich selber gelten. Und dann kann ich ja gucken, ob ich mir eine gelbe Adidashose zum Hochkrempeln kaufe oder es weiterhin so halte, dass ich manchmal meine Analogkamera mitnehme um cool zu wirken. Das Dilemma der Idealist*innen ist, leider, dass sie es meist nicht böse meinen. Aber so wirken. Meine ich zumindest. Also so meine ich es zumindest nicht. Außerdem fällt mir auf, dass es bei mir nicht nachhaltig für ein Umdenken sorgt, wenn jemand negativ und herablassend an Dinge heran geht und mich über die Schattenseite der Angelegenheit zur Sache führt. Obgleich ich es besser weiß, denke ich aus tiefster Überzeugung, ich wüsste es besser und es stresst mich, wenn andere es nicht so sehen wie ich oder zumindest NOCH NICHT. Und die Schattenseiten mag ich auch lieber. Vielleicht weiß ich es auch besser, zumindest besser als gestern und kann daher voller Überzeugung sagen - SCHÖN FÜR EUCH, DAFÜR HABEN WIR DIE ELBE! 


MENSCH2020 #1


Seit zwei Stunden sitze ich vor meinem Laptop und versuche mir eine berufliche Zukunft zu ergooglen. Das klappt so mäßig. Angefangen damit, dass ich meiner Professorin in einer knappen Mail meinen Wunsch nahelegte, Kommunikationswissenschaften im Master studieren zu wollen. Klingt halt super geil und ich beobachte gerne Leute beim nicht-kommunizieren. Während ich selber nicht kommuniziere. Ich lese erschrocken das Modulhandbuch und komme zu dem Schluss, dass ich zu keinem Schluss komme, habe derweil drei mal Facebook geöffnet, fünf mal wieder geschlossen und verschiedenste Personen aus meinem Umfeld auf Instagram nachgeguckt. Eigentlich will ich gar nicht Kommunikationswissenschaften im Master studieren. Aber wenn ich das in Zukunft doch wollen sollte, dann sollte ich eigentlich lieber gestern als heute schon Zusatzkurse belegt habe, denke ich, schließe zum zehnten Mal den Facebook Tab, und gucke mir einfach das Modulhandbuch einer anderen Universität an. Ausgetrickst, ich bin ja nicht blöd. Das verwirrt mich noch mehr und ich glaube in dem Master wird viel geforscht. Ich kriege Gewissensbisse wegen der Mail an meine Professorin. Dann denke ich mir, ich studiere einfach was anderes im Master. Soziologie finde ich spannend. Noch viel spannender finde ich, dass ich dafür auch einen Bachelor in einem dieser -logie verwandten Fach bräuchte. Ich schließe Facebook und gehe zum Fenster und gehe zurück und öffne Facebook. Ich schließe Facebook und denke mir, dass es eigentlich auch egal ist, was ich studiere. Dieser Gesellschaft, die dir einredet, dass du nur etwas bist wenn du einen hohen akademischen Grad oder über so-und-so viel Follower, ich schließe Facebook, hast, will ich auch gar nicht angehören. Ich gehe zum Fenster und denke: Tust du aber. Ich google wie man sein Vollabitur nachholen kann, strukturiere meine Hausarbeit für mein Papierkorb-Journalismus Studium und versuche erneut das Modulhandbuch für Soziologie UND Kommunikationswissenschaften zu lesen. Ich könnte natürlich auch mein Studium abschließen und einen zweiten Bachelor machen. Ich hätte auch in meinem Studium bisher besser aufpassen können anstatt herum zu philosophieren und dann einen Journalistik Master machen können. Wenn ich eine Referenz brauche, irgendwann mal ein Buch schreiben zu können, dann bitteschön. Ich ärgere mich über die Paywall bei der FAZ während ich mich über die FAZ ärgere und mir fällt wieder ein, dass ich nur weiterhin Journalismus studiere, weil mir nix anderes einfällt und ich monatlich Bafög auf mein Konto bekomme. Ich könnte auch einfach jetzt ein Buch schreiben, schnell damit Geld verdienen und dann, ich schließe Facebook. Mir fällt auf, dass ich ja dann gar keine Ziele mehr für meine Zukunft hätte. Nur noch solche, die ich mit einfachen Formeln erreichen kann. Mein Kopf hat mittlerweile schon fünf Pläne ausgearbeitet, wieder verworfen und mich drei mal nahe an den Rand eines komplett Abbruchs befördert, da fällt mir die Unnötigkeit meiner versuchten Unternehmung auf. Ich befinde mich grade an einer Stelle in meinem Leben, die ich vor zwei Jahren nicht hätte voraussagen können. Genau so wenig, wie ich gestern heute voraussagen hätte können. Ich kann nur für Bedingungen sorgen, wenn ich weiß, welche es für was sein müssen. Welch philosophische Erkenntnis, denke ich, schließe Facebook, und ärgere mich, dass ich so viel wertvolle Lebenszeit mit dieser Grübelei und Sucherei vertan habe. Wie so oft. Aber wer sagt mir, dass er vertan war, wenn ich meine Zukunft noch nicht kenne?